Radio Liechtenstein

1938-1939

 

       

                                     Sende-Anlage                                                                               Regieraum mit Plattenspieler                                                                          Sender

 

Am 31. Mai 1935 befasst sich Charles Roditi, Mitglied des Aufsichtsrates der D. Roditi & Sons, Paris (Klient des Vaduzer Anwaltes Dr. Ludwig Marxer) erstmals mit einem Sender in Liechtenstein  Er fragte Dr. Marxer brieflich an, ob ein solcher Sender in Liechtenstein bestehe und ob man diesen allenfalls erwerben könne. Weiter bemerkte Roditi, wenn dies nicht der Fall ist, ob es dann möglich wäre für eine Radio-Station eine Exklusiv-Konzession zu bekommen? Darauf setzte sich am 15. Juni Dr. Marxer mit der Fürstlichen Regierung, Dr. Josef Hoop, in Verbindung und bat, zu Roditis Anfrage Stellung zu  nehmen. Schon vier Tage später teilte die Regierung mit, dass sie die Errichtung einer Radiostation in Liechtenstein nur begrüsse. Sie wies aber auch auf die fehlenden Sende-Frequenzen hin. Am 21.6. gab Dr. Marxer diese Stellungnahme der Regierung an seinen Klienten weiter. Worauf er von der Firma Roditi & Sons den Auftrag erhielt, "weitere vorbereitende Schritte zu unternehmen".

Auch weitere Interessenten bemühten sich um die Konzession für einen Sender in Liechtenstein, so kapitalkräftige ausländische Investoren wie Rene Prinz von Bourbon-Parma, die Internationale Broadcasting-Corporation London, religiöse Kreise (für einen religiösen Gross-Sender) und Funkamateur Walter Schwätzer aus Wien. Konkrete Entschlüsse konnte die Regierung aber nicht fällen. Denn für eine Bewilligungs-Erteilung musste zuerst die Landesregierung die Einwilligung der Generaldirektion PTT in der Schweiz einholen, da diese gemäss Staatsvertrag vom 29.3.1923 für die Sende-Konzessionen in Liechtenstein zuständig war.

Nach verschiedensten Abklärungen und Bemühungen durch Regierungs-Chef Dr. J. Hoop wurde in der Landtag-Sitzung vom 28. Juli 1937 die Richtlinien (12 Punkte-Bestimmungen) zur Betreibung eines Landes-Senders festgelegt und alle verbleibenden Interessenten aufgefordert, nochmals ein Angebot zu  unterbreite. Man delegierte eine Entscheidung über die Zusprechung der Sende-Bewilligung einer Kommission, bestehend aus Pfr. Anton Frommelt und den Abgeordneten Ludwig Ospelt, Ferdi Risch und Dr. Otto Schädler. Nach gegenseitiger Bekämpfung, insbesondere durch die IBC London (Hr. Leonhard) gegen die Roditi Group, zogen sich drei der vier vorhandenen Interessenten zurück So wurde am 28.8.1937 ein Vertrag zwischen der Landesregierung und der verbleibenden Gruppe "Roditi International Corporation Ltd. und Mills und Rockley Ltd." genehmigt. Diese Gruppe gründete die Lirag (Liechtensteinische Rundspruch AG, AK Fr. 500 000) welche für eine Gebühr von Fr. 100 000 die Sende-Ermächtigung erhielt. Darin wird der "Roditi-Gruppe" eine Sendekonzession für max. 25 Jahre mit 16 spezifizierten Auflagen erteilt. Dr. Friedrich Ritter (rechts im Bild stehend) wurde Sendeleiter. Er verpflichtete sich für ein Volontariat in einem Schweizer Studio und trat dies am 1. Juli 1938 im Radiostudio Zürich an. Ferner kamen Josef Kindle sen. als Techniker und Josef Kindle jun. als Hilfsarbeiter ins Studio. Zudem Julius Lins sen. als Nachwächter und Engelbert Schädler als Hilfsarbeiteer. - Es kam noch zu einem Eklat. Roditi selbst ernannte seinen Firmen-Ingenieur Franz Ehrenhaft als Sender-Mitarbeiter. Da Ehrenhaft aber jüdischen Glaubens war, gelangten verschiedene Leute an Dr. Hoop und baten ihn, diesen nicht beim Sender zu beschäftigen. Mit Zögern und nach diversen Rücksprache seitens Dr. Hoop mit Roditi wurde Ehrenhaft entlassen.   

Für eine Radio-Konzession war das " Übereinkommen zwischen der Fürstlich Liechtensteinischen Regierung und dem Schweizerischen Bundesrat betreffend die Besorgung des Post-, Telegraphen- und Telefon-Dienstes im Fürstentum Liechtenstein durch die schweizerische Postverwaltung und schweizerische Telegraphen- und Telefonverwaltung" anwendbar (publiziert im Liechtensteinisches Landblatt Nr. 8 von 1922).  Somit war für die Konzessionierung eines liechtensteinischen Senders die Schweizer PTT als zuständig erklärt.                                             

Nachdem die Generaldirektion der Schweizer PTT schon am 22.2.1937 die Erteilung einer Konzession zum Betrieb eines Senders in Liechtenstein in Aussicht stellte, km es aus verschiednen Gründen zur Verzögerung bei der Konzessions-Erteilung. Trotzdem handelte das Fürstentum Liechtenstein und erteilte die Sende-Bewilligung. Aber erst am 26.9.1938 wurde in Bern in einer Sitzung zwischen Dr. Hoop und Dr. Marxer sowie den zwei Sektions-Chefs der GD PTT, Dr. Muri und Dr. Buser, entschieden, die Frage einer Konzessionierung einer Sendeanlage in Liechtenstein mit einem Zusatzartikel im Postvertrag zu regeln und der Schweiz die Kompetenz zu übertragen und diese soll "im Einvernehmen mit der fürstlich liechtensteinischen Regierung" handeln. Gleichzeitig waren die Vertreter der PTT mit der Aufnahme von Probesendungen durch Radio Liechtenstein einverstanden, der Weg für einen Sendebeginn somit offen.

Bei der europäischen Rundfunk-Konferenz der UIR (Union Internationale de Radiodiffusion) vertrat jeweils die Generaldirektion PTT die liechtensteinischen Begehren (Liechtenstein war damals nicht Mitglied der UIR). Diese Konferenz wies nach 1936 auf Begehren der Schweizer PTT dem Fürstentum Liechtenstein für die Betreibung eines Mittelwellen-Radios die Gleichwelle 198,7m zu. Wegen der bevorstehenden Kriegswirren trat dieser Wellenplan aber nicht in Kraft. Liechtenstein hatte aber nun wenigstens einen Platz auf dem Mittelwellenband zugeteilt. Im Mai 1937 bekam Liechtenstein von der UIT (Internationale Fernmelde-Union)  dann auf der Gleichwelle 209,9m eine Frequenz zugesprochen.

Am 7. Oktober 1937 wurde in Paris zwischen der Firma G. Lorenz AG, Berlin-Tempelhofen und dem Syndikat, bestehend aus den Firmen Roditi International Ltd., London und Mills & Rockley Ltd., Coventry, ein Vertrag über die Lieferung der Sendeanlage paraphiert. Lorenz AG verpflichtete sich vertraglich, den Sender für die Welle 209,9m sofort zu bauen und zu liefern. Am 2.12.1937 wurde der Vertrag von Kenmor (Direktor Roditi Croup) in London unterzeichnet.

Im Frühjahr 1938 verkaufte die Gemeinde Vaduz im so genannten Haberfeld etwas ausserhalb des Ortes ein Grundstück von 278 Klaftern zu einem Preis von Fr. 2000.- an Dr. Rupert Ritter, damals Mitarbeiter des Anwaltsbüros Dr. Marxer, Liechtensteinischer Vertreter der Roditi Gruppe, der den Boden treuhändisch übernahm und sich verpflichtete, die Eigentumsrechte nach der Gründung der Lirag (Liechtensteinisches Radio) an diese zu übertragen. Die Gesellschaft wurde am 20.2.1939 als "Liechtensteinische Rundspruch-Aktiengesellschaft" gegründet. George T. Mills übernahm 500 Aktien zu 100 Franken. Verwaltungsräte der Lirag waren der fürstlicher Justizrat Dr.Dr. L. Marxer, Rechtsanwalt in Vaduz als Präsident, der fürstlicher Rat Josef Ospelt in Vaduz und als Regierungsvertreter Dr. Alois Vogt, Vaduz. Anfänglich wurde aber das Grundstück der Firma Lirag noch nicht überschrieben. Besitzer blieb der treuhändischen Käufer Dr. Ritter.

Am 14.4.1938 reichte Dr. Marxer beim Liechtensteinischen Bauamt das Gesuch für eine Baugenehmigung für den Sender ein und kurz darauf war durch das Baugeschäft Ludwig Ospelt im Vaduzer Haberfeld Baubeginn am Sendegebäude und am 8.9. wurden die Masten für die Antenne gesetzt.  Noch im September 1938, bevor die eigentlichen Probesendungen auf Mittelwelle begannen, nahm man Abklärungen für die Lieferung eines Kurzwellensenders auf. Mit Major Schmidt von der Firma Lorenz wurden durch die Herrn Mills und Kenmore im holländischen Seebad Scheveningen Gespräche geführt. Man wollte eigentlich einen amerikanischen Kurzwellensender kaufen, aus politischen Gründen entschied man sich aber für einen solchen der Firma Lorenz AG. Auch das Gespräch mit dem Vertreter der Lorenz AG führte man aus demselben Grund im neutralen Holland durch. In Vaduz fanden anschliessend Besichtigungen an Ort und Stelle durch Ingenieur Ludenia von der Firma Lorenz  AG und Ingenieur Robin von der Roditi statt. Man bereitete im Senderhaus alles vor, um einen 2,5 kW-Kurzwellen-Sender montieren zu können und plante zugleich, im Herbst 1940 noch einen grösseren KW-Sender ein zu setzen. Mit Architekt Rheinberger sprachen die Ingenieure über den eventuellen Bau eines grösseren Sendergebäudes. Wegen Zeitnot dachte man auch daran, ein bestehendes Haus als Senderhaus zu mieten und entsprechend umzubauen. Wegen der zunehmend politischen Verschlechterung in Europa wollten die Arbeiten aber nicht mehr richtig fortschreiten. Daher blieb es schlussendlich nur beim Wunsch für eine Kurzwellenstation in Liechtenstein. Realität war einzig der Mittelwellen-Sender.

Für die Wände im Sendergebäude wurden Ziegelisoliersteine genommen, die nach innen mit Heraklith-Platten verkleidet waren, um eine gute Schallabdichtung zu gewähren. Die Decken der Räume sind ebenfalls mit 5cm dicken Heraklith-Platten belegt. Unter dem Verputz der Wänden war ein geerdetes Drahtgitter verlegt. Der Boden im Senderaum und im Büro war mit Stoff bezogen, sonst mit Linoleum. Die Fenster wiesen Doppelverglasung auf, die Türblätter im Studio, Sender- und Kontrollraum waren doppelt. Im Keller befand sich der Heizraum für die Zentralheizung. Antenne, Masten und Verankerungen befanden sich nordwestlich des Sendehauses. Die Fundamente für die Stahlrohrmaste sind aus Beton, welcher bis auf den Kiesgrund reicht. Dies galt auch für die Verankerung der Seile. Das ganze war mit einem 2m hohen Drahtzaun umgeben.

Am 4.8.1938 wurde von der Firma Lorenz AG der Sender geliefert. Am 7. August 1938 traf deren Monteur, Herr Schuhmann, in Vaduz ein und begann sofort mit der Montage des Senders. Man verwendete einen drei-stufigen Telephonie-Sender (Leistung 1 kW, Kauf-Preis 2072 Pfund Stirling). Dieser hatte einen Wellenbereich von 45 bis 275 Metern und wurde von der Lieferfirma auf die Frequenz 209,9 Meter eingestellt. Das Studio war mit einem Kondensatoren-Mikrofon  und zwei Kohlemikrofonen ausgerüstet. Im Kontrollraum stand ein Misch- und Kontroll-Verstärker, die notwendigen Netzgeräte zur Lieferung der Betriebsspannung und ein Doppel-Plattenspieler mit Überblendungseinrichtung.

Nachdem der Sender betriebsbereit war, wurde am 6.10.38 die Probesendungen mit Abspielen von Schallplatten, Klavierstücken, Verlautbarung der fürstlichen Regierung und Sprechversuche des Ansagers aufgenommen. Endgültige Betriebs-Aufnahme war am 9.10.1938. Man sendete auf der zugewiesenen internationalen Gleichwellen-Frequenz 209,9 m.

Das Eröffnungsprogramm hatte zwei Teile, ab 11 Uhr morgens und ab 18 Uhr abends. Es sah folgender Massen aus:

 

Der Betrieb des Senders war anfänglich mit Problemen behaftet. Schon im Oktober brannte ein Kondensator durch und ab 21.November 1938 war der Sender wegen eines Föhnsturmschadens (Mastbruch) einige Tage ausser Betrieb. Bald einmal kamen auch Meldungen, der Sender "brumme" in gewissen Gegenden Liechtensteins. Dies störte teilweise die damals 820 konzessionierten Radiohörer in Liechtenstein ! Es wurde dann festgestellt, dass diese Störung vom Sender Kaiserslautern kam, der auf derselben Welle wie Liechtenstein sendete. Es drängte sich auch auf, dass man eine Doppeltüre zwischen Studio und Senderraum einbaute, da der Ventilator des Senders zu laut war. Ein nachträglich verlegter Spannteppich reduzierte zudem den Raumhall im Studio. Und der Sendeleiter Dr. Friedrich Ritter musste sich zuerst mit 20 Schallplatten begnügen,  so konnte man täglich nur vormittags eine Stunden und abends von 20.00 - 21.00 Uhr senden, später besass man dann rund 160 Grammofonplatten. Doch auch mit dieser Zahl war Dr. Ritter nicht zu frieden, er bat die Roditi-Gruppe um Geld, damit die durch die grosse Beanspruchung "kratzenden" Schallplatten ersetzt werden könnten. Leider ohne Erfolg ! Die Gruppe war sehr zurückhaltend mit Geldüberweisung wegen der herrschenden Devisenbeschränkung.

 

Man befasste sich auch mit dem Gedanken, den Sender als Relaissender von Beromünster zu benutzen. Diese wäre gut möglich gewesen, man hätte die Sendeleistung nur auf 2 bis 2,5 KW erhöhen müssen. um den Hörbereich des Senders auf 100 km zu erweitern. Die Gegend vom Rheintal und dem Kanton Graubünden war nämlich schlecht versorgt durch den Sender Beromünster. Technisch wäre das gut machbar gewesen, dazu wäre nur die internationale Musikleitung, die bis zur Post Vaduz führte, von dort zum Sender zu verlängern. Regierung und die SRG (Generaldirektor Glogg) wären damit einverstanden gewesen, die einmal mehr zuständige PTT in Bern war aber sehr zurückhaltend mit dem Vorschlag. Ebenso lehnte diese einen Gross-Sender auf Mittelwelle (auch einen Kurzwellen-Sender) mit dem Hinweis auf die fehlenden Frequenzen ab. Man verwies auf die europäische Rundspruchkonferenz vom 1.3.1939 in Montreux, die Wellenbegehren von 310 Rundfunkstationen zu behandeln hatte. Zudem war es Norm, exklusive Wellen nur Gross-Sendern, zu denen Radio Liechtenstein nicht gehörte, zuzuteilen.

 

Sommer 1939 wurde es finanziell eng. Roditi zahlte anfänglich ein Depot von 2000 Franken, das bald einmal aufgebraucht war. Allmählich häuften sich die unbezahlten Rechnungen (Handwerker, Lieferanten, usw.) auf Fr. 14 065.65 an. Grösste Gläubiger waren die Firma Baugeschäft Ludwig Ospelt, Vaduz = Fr. 5107.05, Lawena-Kraftwerk, Triesen = Fr. 3262.95, Möbelhaus Thöny, Schaan = Fr. 1703.70 und Gebr. Ospelt, Schlosserei, Vaduz = Fr. 1403.50. Der Roditi-Gruppe war es in der Zeit unmittelbar vor dem 2. Weltkrieg nämlich nicht möglich, das notwendige Geld ausser Land, nach Liechtenstein zu überweisen. Erst im Herbst 1940, lange nach Sender-Schliessung,  konnten die Schulden vom der Radio-Betreiberin voll beglichen werden, als Roditi eine Geldüberweisung ins Ausland beantragte. Diese wurde gewährt, sodass er das geforderte Geld der Lirag zahlen konnte. Diese wiederum entschädigte ihre Gläubiger.

 

Am 1. September 1939 orientierte die Landesregierung noch die Bevölkerung vom Angriff Deutschlands auf Polen über den Sender, dann wurde Radio Liechtenstein um den 3. September 1939 geschlossen. In wie weit es Druck seitens Deutschland auf die liechtensteinische Landesregierung wegen des Senders gab, ist ungewiss. Immerhin war Liechtenstein nicht auf der politischen Seite von Deutschland und zudem die Geldgeber des Senders Engländer. Es war auch von einer Bombendrohung gegenüber Regierungs-Chef Dr. Hoop die Rede.

 

Im November 1942 wurde der eigentliche Sender auf Weisung der Lorenz AG abmontiert und in die Schweiz geführt, wo ihn das Schweizer Militär übernahm. Die Lorenz AG hatte nämlich seinerzeit den Sender mit der Vereinbarung geliefert, der Kaufpreis sei gestundet, nur die Kosten für Fracht, Montage und Ersatzteile (total 925 Pfund) müssten sofort bezahlt werden. Die Lirag beglich aber nur 425 Pfund, den Rest blieb sie schuldig. Somit blieb die Lorenz AG immer Eigentümerin des Senders.

 

Nach Kriegsende besuchte William Kenmore (Direktor der Roditi International Corp.Ltd) Liechtenstein um über die Wiederaufnahme der Radiosendungen zu verhandeln. Die Regierung lehnte aber ab mit der Begründung ab, dass das Syndikat den Vertrag nicht eingehalten und insbesondere die in Artikel 2 und 3 des Vertrages vom 25.9.1937 verlangten Gebühren nie bezahlt hätten. - Die Landesregierung und eine Spezialkommission des Landtages befassten sich in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wiederholt mit der Radio-Angelegenheit. Ihre Beschlüsse finden sich in einem Schreiben der Regierung an Dr. Marxer, Vertreter der Roditi-Gruppe in Vaduz. Darin heisst es: "Beide Instanzen sind nach eingehender Prüfung aller Umständen zum Schluss gekommen, es sei für das Gesamtwohl Liechtensteins besser, wenn vorläufig, d.h. bis nach Eintritt anderer Verhältnisse in der Frage "Radio Liechtenstein" nichts weiter unternommen werde. Liechtenstein wird daher in der nächsten Zeit weder eine diesbezügliche Konzession noch eine Option erteilen."  -  Dabei blieb es.

 

1948 wurde das restliche Material des ehemaligen Senders verkauft und die Schallplatten im Büro von Dr. Marxer versteigert. Ein Oszillograph, ein Allwellen-Empfänger und ein Radio wurden an Hugo Hilty, Radiotechniker, Schaan, für Fr. 420.- verkauft. Der Gesamt-Erlös der Liquidation machte Fr. 584.96 aus. Und am 30. Juli 1948 trat Dr. Rupert Ritter, der seinerzeit als treuhändischer Käufer auftrat, das Grundstück, auf dem das Sender-Gebäude stand, samt Sendehaus und Antennen an die Firma LIRAG ab, die zuvor den Sender betrieben hatte. 

 


 

 

 

Radio Liechtenstein auf UKW

 

 

 

 

Ohne eigenes Radio-Studio blieb das Fürstentum Liechtenstein auf Dauer nicht. Mit der Bewilligung von Privat-Radios in der Schweiz konnten auch in Liechtenstein (gemäss Liechtensteinischer Konzessionsordnung von 1978) Radio-Stationen eröffnet werden. Auf Anstoss von Walter-Bruno Wohlwend (linkes Bild) nahm nach einer Probephase ab 1991 dann am 15.8.1995 der private liechtensteinische Sender Radio L seinen Betrieb definitiv im UKW-Bereich auf. Zur Versorgung des Zielgebietes wurden im Rheintal zwischen Sargans und Bodensee sowie in Liechtenstein mehrere Sender-Anlagen erstellt. Investor war Dr.iur. Peter Ritter (rechtes Bild), der sich aber 2003 aus finanziellen Gründen vom Radio zurück zog, nachdem er rund 12 Millionen Franken in den Sender investiert hatte.

 

 

Am 1.1.2004 kaufte der Staat für 3,1 Millionen Franken von der Radio TV AG und der Radio Werbe AG das bisherige Radio L, das nun in einen öffentlich-rechtlicher Sender namens Radio Liechtenstein mit Sitz in Triesen umgewandelt wurde. Präsident des Verwaltungsrates des Senders wurde Norbert Seeger, Intendant Mario Aldrovandi, Uetliburg/SG.  Nach nur 10 Monaten trennte man sich von Aldrovandi,  neue Intendant wurde Verlagsmanager Alois Ospelt, Vaduz (linkes Bild). Gleichzeitig schuf der Staat extra für Radio Liechtenstein ein neues Rundfunk-Gesetz. In den Jahren 2004 und 2005 gab es beim Radio finanzielle Verluste und dies trotz jährlichen, massiven Zuschüssen seitens der Regierung. Man musste auch den Mitarbeiter-Bestand reduzieren.  Im Jahre 2007 kam es leider zu Differenzen und Rücktritten im Verwaltungsrat, verbunden teils mit rechtlichen Klärungen. 2008 schloss man mit einem Gewinn vom Fr. 33 000 ab, dank grösseren Werbeeinnahmen und dem jährlichen, regierungsrätlichen Zuschuss von 1,5 Millionen Franken. 2008 sprach die Regierung dem Radio einem Betrag von Fr. 485 000 zu, um in die Infrastruktur des Senders zu investieren. Auch 2010 resultierte wieder ein Betriebs-Verlust von Fr. 61 000.

 

Zur Zeit sind nebst Alois Ospelt als Intendant von Radio Liechtenstein der Treuhänder Clemens Laternser Präsident des vierköpfigen Verwaltungs-Rates. Es gibt auch einen Publikums-Rat.  -  Der Sender erreicht in Liechtenstein, der Schweiz und in Vorarlberg rund 50 000 Hörerinnen und Hörer.

   

Das Programm von Radio Liechtenstein wird heute über insgesamt neun UKW-Sender ausgestrahlt, und zwar wird das Programm über Ball-Empfang ab Sender Vaduz-Erbi verteilt. >

 

Fünf Sender sind in der Schweiz               Rüthi-Bismer        106,1 MHz                Vier Sender sind in Liechtenstein              Vaduz-Erbi                   96,9 MHz

                                                                   Buchserberg.         89,2 MHz                                                                                    Balzers-Allmend           88,8 MHz

                                                                   Vilters-Targön     103,4 MHz                                                                                    Nendeln                      100,2 MHz

                                                                   St.Margrethen     100,2 MHz                                                                                    Triesenberg-Sücka       96,6 MHz

                                                                   Altenrhein-Thal    105,9 MHz                                                                                   Triesen                        Radio-Studio

 

 

Das Programm ist zudem über insgesamt acht Kabelnetze in Liechtenstein, der Schweiz und in Vorarlberg empfangbar und kann auch auf Internet abgerufen werden.

 



 

Quelle: zum Teil von Norbert Jansen "Radio Liechtenstein, der Liechtensteinische Landessender 1938-1939"   www.eliechtensteinensia.